Gedenkbuch der Gemeinde Deutsch Pankraz

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Transkription von: BayHStA, SdA Heimatberichte 1529: Gedenkbuch der Gemeinde Deutsch Pankraz, verfasst von Gustav Böhmer, Otto Pörner und Wilhelm Sitte 1927-1942

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Dieses Buch enthält 200 Blatt

  • Jos. Thiel No 14, Gem. Vorsteher
  • Jos. Prokop No 141, Gem. Vosrst. Stelv.
  • [...]
  • [...]
  • [...]

Mitglieder der Gemeindevertretung

  • Franz Kunze N[o] 15
  • Hoffmann Friedrich [No] 47
  • Franz Kühnel No 18
  • Franz Bauer No 139
  • Wzl. Thum No 20
  • Seibt Rudolf No 15
  • Franz Sitte No 122

Finanz-Kommission

  • Emil Kindermann No 154, Obmann
  • [...] Anton No 172
  • Jos. Prokop No 141

Ban-Kommission

  • Wzl. Thum
  • [...] Anton 172
  • Franz Herrmann No 121

Friedhofs-Kommission

  • Franz Sitte No 122
  • Seibt Rudolf No 15

Armen-Sektion

  • Jos. Thiel No 14, Gem. Vorsteher
  • Jos. Prokop No 141
  • Julius Hartig No 103
  • Wilh. Sitte N[o] 60

Leitspruch

Wenn Generationen sinken und erliegen;

wenn Jahre auch auf Jahre rasch vergeh'n:

Ihr geistig Schatten, ewig bleibt's besteh'n!

Drum ehret dankbar dieses Wirken,

stellt's der Erinnerung heim,

berichtet, treu der Warheit, der

Nachwelt dieses Tun.

[Erster Autor]

Vorliegendes Gedenkbuch wurde im Jahre 1927 vom Oberlehrer Gustav Böhmer angelegt. Derselbe ist am 12. Feber 1881 zu Markersdorf, Bez. D. Gabel, geboren, besuchte die Bürgerschule in D. Gabel, studierte in den Jahren 1896-1900 an der Lehrerbildungsanstalt in Reichenberg. Sein erster Posten was D. Pankraz, wo er von 1900-1906 als provisorischer und definitiver Unterlehrer und als Lehrer II. Klasse in Verwendung stand. Nach seiner Verheiratung am 23. Juli 1906 mit Juliana Prokop aus No 67, Pflegetochter des Ferdinand Porsch No 173 wanderte er als Lehrer II. Klasse nach Kunnersdorf, sodann als Lehrer 1. Klasse nach Seifersdorf und Krambach und kam als provisorischer Oberlehrer am 1. September 1919 wieder zurück nach D. Pankraz, wo er seit 1./9. 1920 definitiv angestellt ist.

Quellenangabe

Gleich im Vorhinein wird bemerkt, daß den Quellen, aus denen die älteren Daten und Begebenheiten entnommen wurden, folgende sind:

  1. Schulchronik, begonnen vom Oberlehrer Pilz.
  2. Ortschroniken von Michael Linke, Steinmetzmeister.
  3. Alte Gemeindechronik vom Jahre 1836.
  4. Chronik von Lämberg u. Ringelshain v. Bürger.
  5. Mitteilungen der nordböhmischen Exkursionsklubs.
  6. Geschichtliches vom Bürgerschuldirektor Friedrich.
  7. Chronik von Zittau von Carpzov.
  8. Chronik des Jesuitenpaters Balbin.

Deutsch-Pankraz

Dorf, am nordwestlichen Fuße des Kalkberges im Lausitzer Gebirge, liegt 376m über dem Meeresspielgel. Es hat einen Flächenraum von 863ha 80ar 70m² und zählt (1927) in 178 Häusern 739 Einwohner.

Es ist eingeschlossen nördlich von Pass, zu Spittelgrund gehörig, und Niederberzdorf, östlich von Weißkirchen, südlich von Schönbach, Johnsdorf und Neusorge und westlich von Ringelhain und Schwarzpfütze, Gemeinde Finkendorf.

Pankraz hat eine Länge von 2500m.

Das Gebirge, welches unseren Ort teilweise umschließt, gehört zum Lausitzer Jeschkengebirge. Die vorzüglichsten Höhen bei D. Pankraz sind: der Kalkberg, 789m, der Trögelberg, 537m, der Schul-, Kirch- oder Hirschberg, 452m hoch. Der Kalkberg weißt auf der Nordwestseite gen D. Pankraz zu einen Kalksteinbruch auf, dessen Kalksteine Versteinerungen eines Kopffüßlers enthalten. Der Trögelberg lieferte seinerzeit den bekannten Pankrazer Sandstein, der vorzügliche Steinmetzarbeiten abgab. Dieser Sandstein führt prächtige Abdrücke von Muscheln, Fischen, Seeigeln.

Alle 3 Berge bieten einen lohnende Fernsicht, namentlich der erstere. Am Fuße des Trögelberges liegen die Kamelsteine, der Weiße Stein im Volksmunde genannt, an der Straße nach Freudenhöh, rechts, der Rabenstein, am Schulberge der Fuchsstein, isolierte Felsen, alle drei.

Die vorzüglichen Gesteinsarten, die hier vorkommen, sind: Sand- u. Kalkstein, Tonschiefer und Basalt.

Das hiesige Gebirge, als Teil des Lausitzergebirges zum Jeschkenzug gehörig, ist überhaupt zu den ältesten Gebirgen der Erde zu zählen, dessen [...]erhebung sich in der langen Periode der Steinkohleformation ereignete. Während der Braunkohleformation trat die stürmische Epoche der Basalteruptionen ein. Auch das hiesige Gebirge hat Zeugen aus jener Zeit. [...]basalt liegt auf dem Schul- und Trögelberge, sowie auf Karl Neumanns, 34, Grunde.

Der höhere Teil des hiesigen Gebirges zeigt keine Andeutungen, daß es jemals vom Meere bedeckt gewesen wäre, sooft dieses auch bis an den Fuß des Gebirges herangetreten sein mag. Die "Diluvialablagerungen", Sand, Ton und Geschiebe, welche das Meer aus den zerkörnten einheimischen Gebirgen und aus den auf Eismassen von weither eingeführten und dazu [...] Zuschüssen abgesetzt hat, sind längst nicht mehr was sie waren. Ferner hat der Einfluß der Niederschläge, sowie die herabströmenden Gebirgsbäche getan und das Tal, in welchem Pankraz liegt, mit jenen Diluvial- und Aluvialablagerungen zu bedenken(?).

Das Gebirge selbst ist mit den verschiedensten Holzarten bewachsen, es befinden sich hier: Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen, hier und da Eibe. Die Laubhölzer sind vertreten durch: Eichen, Erlen, Buchen, Ahorn, Linden, Eschen, Birken, Erlen, Weiden usw. An Obstbäumen werden gepflanzt Aäpfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume.

An Gewässern ist Pankraz mit seiner nächsten Umgebung sehr arm. Am Abhange des Kalkbergs entspringt eine Quelle, das sog. "Kalkbörnl", dessen Wasser den Jungfernbach speist. Eine weitere, aber ausgiebigere Quelle befindet sich auf dem Gartengrunde des Hauses No 52, deren Wasser mit noch anderen Quellen am Fuße des Kalkberges vereint die Wasserleitung des Ortes versorgt. Der Jungfernbach, im Sommer öfters ausgetrocknet, fließt, nachdem er hier eine Mühle getrieben, gegen Ringelshein.

Das Klima ist ziemlich rau, doch im großen Ganzen gesund.

In Pankraz werden: Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln und Rüben, Kraut, Erbsen, [...] und Klee gebaut, die Wiesen liefern gutes und saftiges Heu und [...].

An Haustieren hält man: Rinder, Pferde, sehr viele Ziegen, wenig Schafe; Gänse, Hühner und Enten beleben die Gehöfe; auch Tauben werden gehalten.

Auf den Feldern und in den Wäldern findet man Rehe, Füchse, Dachse, Marder, Iltisse, Wiesel, ferner Hasen; verschiedene Singvögel beleben Wald und Flur, während Auer- und Birkhühner im Walde und Rebhühner auf den Feldern angetroffen werden.

Die Bewohner von D Pankraz gehören (bis auf eine Person) [...] dem deutschen [...] an, die den örtlichen Verhältnissen gemäß auf verschiedene Art unde Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Der kleinere Teil lebt von der Landwirtschaft, der größere Teil sucht in Handwerken, Fabrik- und Tagarbeiten sein fortkommen. Weit bekannt waren seinerzeit die Pankrazer Steinmetze. Auch Weberei wird nebenbei betrieben.

Gegenwärtig leben in D Pankraz in 178 Häusern 739 Einwohner.

Gesprochen wird hier eine "deutsche Mundart". So erhalten viele Wörter mit "a" ein "oa": Vater - Voater, Magd - Moad; Wörter mit "e" ein "a": Messer - Masser, Kerze - Karze, Wetter - Water; Wörter mit "o" ein "u": Kopf - Kup, Topf - Tup; Wörter mit "u" ein "o": Mutter - Motter; statt Kirche sagt man Körche und statt Erdäpfel-Aräpl.

Die herrschende Religion ist die römisch-katholische; wenige Einwohner sind glaubenslos.

Namensänderung

Die Gemeindeverwaltung hat im Jahre 1913 ein Gesuch an das Ministerium des Innern geleitet, in welchem um die Änderung des Namens "Pankraz" in "Deutsch-Pankraz" angesucht wurde. Grund hierfür war die stete Verwechslung unseres Ortes mit der Haftanstalt Pankrác bei Prag. Das Ministerium hat mit Erlaß vom 6. Oktober 1913, Z. 34055 die Namensänderung gebilligt. So ist also aus einem Dittersdorf ein Theoderichsdorf, aus diesem nach dessen Zerstörung ein Pankraz und 1913 ein Deutsch-Pankraz geworden. Der tschechische Name unseres Dorfers heißt "Jitrava".

Am Westausgange unseres Ortes liegen die Feldhäuser, 6 Häuser und 1 Villa, zur Gemeinde Ringelshain gehörig. Im Jahre 1830 wurden von Jantze(?) und Schmitt aus Ketten, Anton Quaiser aus D. Pankraz und Tobias Jarisch(?) aus Johnsdorf Baustellen aus der Wirtschaft des Michael Schicht 108 in Ringelshain angekauft und Häuser darauf gebaut.

Ursprung von Deutsch-Pankraz

In Bezug auf die Kolonisation von D P[ankraz] kann man nur Vermutungen Raum geben. Wann und von wem unser Ort gegründet wurde, ist ganz unbekannt. Der Chronik Balbin führt in seinen Zehentregistern vom Jahre 1384 unter den Pfarreien, welche in das Gabler Dekanat gehören, das Dorf Pankraz unter dem Namen "Ditherivilla" an. In den "Bestätigungsbüchern" wird Pankraz im Jahre 1370 Ditherivilla - Dittrichsdorf und 1394/95 Theodericivilla - Theoderichsdorf genannt. Über die daselbst bestehende Pfarrkirche hatte 1370 "Nikolaus von Grünwald" das Patronatsrecht, ein Mann, der 1396 in den Zittauer Stadtrat gewählt wurde, 1400 Bürgermeister daselbst wurde und 140(?)-1410 als Landvogt bekannt war. Im Jahre 1372 besaß Dittersdorf Nikolaus genannt Kunnwald (?) von Gabel. (Dorf Kunewalde)

Heinrich Burggraf von Dohna, Herr auf Grafenstein besaß Dittersdorf 1394 allein und 1395 hatte er es mit seinem Sohne Ubert, oder wie i[h]n Carpzov nennt, Albert, inne.

Wann unser Dorf den Namen Pankraz erhalten hat, bleibt weiteren Forschungen vorbehalten. Zuverlässig gehört er der nachhussitischen Zeit an.

Palacký nennt Pankraz "Jitrava". Warum und wielange dieser Name gebraucht wurde, ist nicht erklärlich, ist doch Pankraz stets deutsch gewesen. Auch seine Lage deutet nicht auf jitro = Morgen und sollte es von Jetrech(?) abgeleitet sein, so würde das seinen ursprünglichen Namen, Dittersdorf, nur bestätigen.

Pankraz, bzw. Dittersdorf, liegt unweit der Ruine Roynungen und zur Zeit der hussitischen Kriege kann es gar wohl von den herumstreifenden Kriegsscharen eingeäschert, später aber wieder erstanden und zu Ehren seines Begründers den jetzigen Namen erhalten haben, sowie ihm zu Ehren auf die erbaute, hölzerne Kirche derselbst(?) "Pankratius" geschrieben worden sein kann.

Ebenso ist nicht erwiesen, daß Pankraz, bzw. Dittersdorf "hinter dem Schulberge" gelegen haben soll.

Untertanenverhältnisse damaliger Zeit

Die Untertanenverhältnisse in jenen Zeiten werden, wie allerwärts, auch hier ihren diesbezüglichen Verlauf genommen haben. Der Grundherr erwarb sich für seine totliegenden Besitzungen beim Landesfürsten die Bewilligung, ein neues Dorf anzulegen. Nach Genehmigung schloß er mit den Bauern einen Vertrag, verpflichtete sie, ein Stück Land zu parzellieren, urbar zu machen und von dem Nutzen eine jährliche Abgabe zu leisten.

Gewöhnlich leitete eine solche Angelegenheit ein Unternehmer, der für seine Mühe ein freies, erbliches, teilbares Grundeigentum, den Kretscham, ein Freischulzengut, das aus einer Anzahl Hufen Landes bestand, erhielt. Die ersten Jahre erhielten die Ansiedler, die an und für sich freie Leute waren, den Grund und Boden umsonst, erst nach einigen Jahren wurde ein Zins fürs Jahr festgesetzt; auch hatten die Bauern den "Zehent" an die Geistlichkeit zu entrichten.

Diese so ziemlich günstigen Verhältnisse schienen aber für die damaligen Bauern nicht von langer Dauer gewesen zu sein; Freiheiten wurden beschränkt, nach und nach fast zur Gänze entzogen und bis zur Leibeigenschaft herabgedrückt. Diese Knechtschaft mussten sie solange dulden, bis der große Volkskaiser Josef II. den Bauer hiervon befreite.

Eine geschichtlichen Urkunde im Original aus dem Jahre 1651 betreffend das Pankrazer Freischulzengut erliegt(?) als Pergamenturkunde mit angehängtem Siegel im [...] im Schularchive zu D. Pankraz.

Sie hat folgenden Wortlaut:

I. Cristoph Fiebigers, Richters zu Pankratz, Erb [...] über das wüste Guth. Anno 1641, den 5. November ist mit Konsens des Hoch- und Wohlgebohrenen Herrens David Heinrichs, Freiherrn von Tschirnhaus und Bolkenhain, Erbherrens der Grafschaften Mittelwaldau(?), Gräfenstein, Lieben(?), Schönfeld und Wöllsdorff(?), Herrens auf Lieberohn(?), Kroschau(?), Hartig[...], Wittchendorff und Lambsfeldts ect. ec. durch dero bestelte Ambtsleuthe der Herrschaft Gräfenstein die Ehrbaren [...] Wentzeln, Burggrafen und [...] - Christoph Fiebiger, Richter auff Panggratz, ein [...] Guth daselbsten, zwischen der [...] gelegen, [...] ihn, seine Erben und [...] ohne einzige Tiensen, Robothen und Steuern frey verkaufft und zu seinem [...]uthe hingelassen worden in einer Summa umb und von Sechsundachtzig Schock, das Schocck zu 70 Pf. geraytet(?), [...] == [...] D, H. v. Tschirnhaus

II. Ich Adam Matthias Graff zu Trauttmannsdorf, Freyherr auff Gleichenberg [...]

Ortsrichter in D. Pankraz

1600 Christoph Quaiser. Die Beigewählten nannte man zu jener Zeit Tschöppen
1617 Christoph Pölzelt.
1641 Christoph Fiebiger. Dieser Ortsrichter wurde 1650 durch Grafen Trautmannsdorf für sein Gut No 16 von Robot und Steuern befreit - Freibauern
1651 Matthias Hipper.
1686 Georg Kunze, Kretschambesitzer No 70.
1726-1740 Ignatz Seidel.
1740-1754 Johann Christoph Lenze. Kretschambesitzer No 70. Unter seiner Zeit wurden in D. Pankraz die Häuser nummeriert. Befehl Josefs II.
1800-1827 Josef Lenze, Kretschambesitzer.
1827-1831 Josef Schäfer aus No 31. +1831. Nach seinem Tode war Michael Leutelt, Bauer No 42 Inerimsrichter bis Ende 1831.
1831-1835 Josef Lenze, der obige
1835-1839 Anton Schäfer No 31.

In dieser Zeit nannte man die Beigewählten Wirtelrichter(?) und Geschworene.

Von 1830(?)-1848 hauste bei dem Grafensteiner Amte ein Amtsdiener mit Namen Möse "der Einäugige" aus Dönis, der in den napoleonischen Kriegen [...] bei Donauerchingen durch eine franz. Kugel ein Auge verloren hatte. Dieser Mann war besonders gefürchtet. Wenn er in Begleitung seines Pudels Amtssachen auf die Dörfer trug und seinen Ledersack auf den Tisch aufhauen ließ, zitterten die Empfänger.

1839-1848 Anton Sitte in No 72. Unter seiner Zeit wurde die Nachtwache eingeführt.
1849-1856 Josef Lenze, Kretschambesitzer 70 war Ortsrichter bis Juli 1850.

Am 1. Feber 1850 traten die K.K. Bezirkshauptmannschaften in Wirksamkeit . Ein neues Gemeindegesetz vom 17. März 1849 war ins Leben getreten und der Ortsrichter Lenze wurde am 10. Juli 1850 zum Bürgermeister gewählt. Die Beigewählten hießen Gemeinderäte und Gemeinde ausschüsse. - Die neue Gemeindevertretung zug hierauf mit der Schuljugend unter Musikbegleitung in die Kirche und legte hier den Eid in die Hände des Seelsorgers ab. [...] schlossen die Feier.

1856-1860 Josef Scholze in No 87 hieß nicht mehr Bürgermeister, sondern Gemeindevorsteher
1860-1863 Anon Linke No 11
1864-1867 Michael Thum No 20 hatte die [...] zu [...]
1867-1873 Karl Schütze No 7
1873-1876 Josef Neumann, Kretschambesitzer 70.
1876-1879 Franz Appelt No 72, ein gebohrener Maffersdorfer.
1879-1882 Anton Schäfer No 31.
1882-1888 Karl Schütze No 7
1888-1898 Josef Neumann, Kretschambesitzer 70
April 1898 - Oktober 1913 Wenzel Bergmann, Landwirt, 63
Novemb. 1913 - Feber 1916 Anton Oys, Landwirt, 8, musste 1916 einrücken.
1916-1919 Wenzel Bergmann, Landwirt 63 übernahm provisorisch über die Kriegsjahre das Amt seines Vorstehers
1919-1927 Josef Thiel, Ziegelpächter No 14
1927-1933 Wenzel Thum, Landwirt, D. Pankraz No 20
1933- Anton Oys, Landwirt, D. Pankraz No 8

Schadenfeuer

1836 Am 20. Dezember brannte die Mahlmühle No 23, Eigentum des Franz Teubner, gänzlich nieder.
1839 Im September brannte die Scheune des Josef Scholze, No 87 mit der Ernte vollständig ab.
1841 Am 10. Juli brannte das Haus des Josef Prokop, 62 und das jenige des Frz. Kunze 162 an einem Sonntagnachmittag ab.
1861 Am 9. Feber gegen Mitternacht wurde das Bauerngehöft des Anton Sitte No 72 ein Raub der Flammen
1868 In diesem Jahre brannte die Kirche ab.
1869 Am 10. Oktober, 1 Uhr morgens nach abgehaltener Tanzmusik brach im Gasthofe des Anton Leutelt No 25 Feuer aus, welches fast das ganze Haus einäscherte.
1788 Am 11. Mai brannten in D. Gabel 160 Häuser ab.
1882 Am 31. Mai entzündete der Blitz im Mitternacht das Bauernhaus des Anton Linke No 59.
1890 Am 4. Juli vormittags wurde das Wohnhaus des Franz Thum No 110 vom Feuer vernichtet.

Häuser-Neubauten

Haus No
152 Linke Nikolaus, Bäckermeister im Jahre 1826
153 Kunze Josef, vulgo "Hansseffl" baute 1826
154/155 Kunze Michael, Bauer auf No 39 baute beide Häuser für seine Söhne im Jahre 1827
24 Die Gemeinde baute ein neues Schulhaus, nachdem das alte baufällig war 1830
156 Arlt Franz, Leinweber, 1836
157 Prokop Albert, Tagarbeiter, 1836
159 Bergmann Anton, Holz- u. Obsthändler 1839
160 Kunze Anton, Freibauer auf No 16 baute in seinem Garten im Jahre 1843
161 Kunze Winzenz Bauer No 93, baute das Gasthaus zum "Lamm" für seinen Sohn Bernhard 1843
158 Sitte Josef, Holzarbeiter, baute vollends aus 1843
162 Linke Michael kaufte die Baustelle aus No 21 und baute in den Jahren 1845/1846
163 Franz Scholz aus No 35 baute 1847
164 Bergmann Anton, Gärtner auf No 61 baute im Jahre 1847
16 Diese Hausnummer bekam das Gedingehaus zu No 13 (Mit [...] Wirtschaft) 1868
Haus No
1876 erbaute Josef Volkert, Gemeindesekretär, Polizist und Totengräber das Haus 166
1877 erbaute Josef Weikert, [...] Maurer d. H. 167
1879 erbaute Anton Leutelt, Fleischer, die "Windschänke" 168
1889 Voigt Karl, Maurer aus 91, baute d. Haus 169
1892 Anton THum, Gastwirt aus 162, baute d. H. 171
1894 Anton Finke aus N. Berzdorf erbaute das Haus 172
1894 Porsch Ferdinand erbaute auf den Garten No 11 das Haus No 173
1894 Neumann Josef drehte(?) den uralten Kretscham durch Maurermeister Posselt, D. Gabel, [...] um. Aus dem alten Kuhstall wurde eine neue Gaststube und darüber ein neuer Tanzsaal. 70
1895 Hoffmann Friedrich erbaute auf dem Gerten No 11 das Haus No 174
1900 Arlt Franz, Tischler, erbaute auf dem Gartengrunde No 70 das Haus N. 175
1900 Franz Kühnel, 18, baut einen Eiskeller
1900 Karl Neuhäuser, 129, eine neue Schneiderwerkstatt
1900 Wenzel Sieber, 19, eine neue Scheune und
1900 Adolf Thum, 130, [...] Backhaus

Öffentliche Gebäude

Das Schulhaus

Das Schulgebäude der Schulgemeinde D. Pankraz liegt ziemlich in der Mitte des Ortes; es trägt die Hausnummer 24. Das älteste bekannte Gebäude (Siehe Zeichnung 1) war ein Holzbau mit Mansardendach, hatte rechts des Eingangs einen zur Hälfte als Schulleiterwohnung, zur anderen Hälfte (gegen den Mühlteich zu) als Klassenzimmer benutzten Raum, links einen Kuhstall, [...] einen umgebauten Schupfen. Bis zum Jahre 1624 wohnten die Pastoren in dem Schulgebäude; ebenso der im Jahre 1774 neu eingeführte katholische Geistliche P Anton Knirsch bis 1780.

Im Jahre 1830 wurde das alte Schulgebäude wegen Baufälligkeit eingerissen und an seiner Stelle ein neues Schulhaus (siehe Zeichnung 2) aus Stein aufgeführt(?). Rechts vom Eingang war das Lehrerzimmer links die Wohnung des Lehrers. Ein Kuhstall war angebaut. Hier wurde bis zur Inkrafttretung des Reichsvolksschulgesetzes 1869 bis zum Jahre 1874 halbtägiger Unterricht erteilt. Er bestand aus einem Erdgeschoß(?).

Am 22. Juni 1874 begann der Aufbau eines Stockwerkes, der vom Baumeister Wenzel Klaban aus D. Gabel ausgeführt wurde. Am 1. Oktober 1874 was der Bau vollendet und der Unterricht konnte nun in den nun hergerichteten 2 Lehrzimmern erteilt werden.

Im Jahre 1882 wurde die Gemeinde aufgefordert, ein drittes Lehrzimmer für eine dritte Klasse herzurichten. Dies geschah und am 1. Jänner 1883 wurde die Pankrazer Schule dreiklassig.

In den Ferien 1899 wurden an der Nordseite des Schulgebäudes die Abortanlagen vergrößert.

Ende August 1910 wurde vom 1923 aufgelassenen Bassin oberhalb der Schule ein Wasserleitungsrohr in die Schule gelegt, sodaß der Wasserbedarf für die Schule nicht mehr auswärts geholt zu werden brauchte. Im selben Jahre wurde auch ein Teil der Mauer zwischen Teich und Schulgarten aufgefürt(?).

Samstag, den 7. Juni 1913 besichtigte eine Kommission unter Führung des Amtsleiters Guschall(?) das Schulgebäude, um darüber mit den O.H.R.(?) Mitgliedern zu beraten, in welcher Weise das Lehrzimmer der 1. Klasse in ein einwandfreies Lokal im Schulgebäude verlegt werden könnte. Es wurde danach bestimmt, dieses Lehrzimmer in den 1. Stock und die Wohnung des Schulleiters in das Erdgeschoß zu verlegen. Bravo! Was braucht ein Lehrer eine gesunde Wohnung!!

Am 6. August 1913 wurde der Umbau eines Teils des Schulgebäudes (Ausbau der Ecke in der Richtung der Kirche) beginnen und am 15. Sept. 1913 nach den Plänen des Ing. Häckenbacher aus Reichenberg [...] sodann der im vorherigen Absatz erwähnte Tausch der Lehrerwohnung mit der 1. Klasse durchgeführt.

Am 30. Juni 1915 stürzte ein Teil der Decke des Wohnzimmers ein. Man hatte jedenfalls bei dem Umbau vor 2 Jahren nicht die nötige Vorsicht walten lassen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Das Schulhaus mag ja im Jahre 1830 ein den damaligen Anforderungen vollkommen entsprechender Bau gewesen sein. Die vielen Veränderungen jedoch, die das Haus mitmachen mußte, waren und konnten nur Flickwerk bedeuten, nie und nimmer aber konnte daraus eine der Jetztzeit entsprechende Schule entstehen. Es gab unter der Bevölkerung von D. Pankraz Stimmen, die sich sagten: Nicht mehr anbauen, nicht umbauen, sondern ein neues Schulhaus auf einem entsprechenden Platze an der Straße; das Flicken kostet ebenfalls Geld und es wird doch nichts Ganzes daraus! Lieber blieben diese Stimmen ungehört und es wurde weiter um-, zu- und angebaut. Es fehlte halt auch damals schon an Geld und der Geldmangel hat manchen guten Gedanken zunichte gemacht, an dessen Verwirklichung spätere Generationen doch noch, jetzt aber mit viel größeren Opfern, schreiten müßten.

Lehrer in Pankraz

D. Pankraz gehört zum Schulbezirke Deutsch-Gabel. Wann die D. Pankrazer Schule gegründet wurde und wer der 1. Lehrer gewesen, ist nirgends ersichtlich gemacht. Das Memorabilienbuch beim hiesigen Pfarramte enthält [...]digerweise nicht einen Namen der Lehrer, die hier tätig waren.

Nach dem Kratzauer Gerichtsbuche wurde am 1. August 1668 ein gewisser [...] Thiele, gewesener Lehrer in D. Pankraz wegen einer Übeltat "auf Vorbitt" begnadigt und zum "Staubschlagen und zur Landesverweisung" verurteilt, nachdem vorher über ihn das Todesurteil ausgesprochen worden war.

Die Pankrazer Gemeindechronik, [...] nebenbei gesagt, nicht weitergeführt worden ist, erzählt vom Jahre 1730 von einem Lehrer mit Namen Anton Thiele [Hochzeit Anton Thiel], welcher bis 1739 hier lehrte.

Von 1739 bis 1742 wird Josef Ehrlich als Lehrer genannt, gestorben zu Pankraz 1742 im Alter von 28 Jahren.

1742-1767 folgte Franz Arnold, der fier 25 Jahre unterrichtete.

Nach ihm kam Clemens Streit der 38 Jahre - 1767-1805 - hier wirkte und auch hier starb.

Von 1803 bis 1829 lehrte in Pankraz Ferdinand Bart aus Weißkirchen; er kam 1829 als Lehrer nach Einsiedel.

Von 1829-1860 lebte und wirkte in D. P[ankraz] Anton Wörfel aus Schönbach; er wurde am 24. Dezember 1787 geboren und starb hier am 17. November 1860, 73 Jahre alt.

Nach Wörfel kam Josef Müller, ucte(?) Möller, gewesener Lehrer in Lamberg; er war in Johannesthal bei Reichenberg geboren, 1873 pensioniert und starb am 31. März 1882 in D. Pankraz; an einem Palmsonntage wurde er zur ewigen Ruhe gebettet. Als ausgezeichneter Organist was er unter seinen Kollegen weit und breit bekannt. Er war hier von 1860-1873 als Lehrer tätig, hiervon 9 Jahre in der alten halbtägigen, 6jährigen Schulpflicht und 4 Jahre nach dem Reichsvolksschulgesetze vom Mai 1869 als "Oberlehrer" bei 8jähriger, ganztägiger Schulzeit.

Im Jahre 1873 kam Anton Pilz als Oberlehrer von Spittelgrund nach D. Pankraz. Am 7. 12. 1837 in Kunnersdorf bei Friedland geboren, wirkte er hier durch 24 Jahre als Oberlehrer bis zu seiner im Jahre 1897 erfolgten Pensionierung. Am 1. September 97 übersiedelte er nach Dörfel, wo er am 21. Dezember 1918 starb. Pilz war angestellt seit 1855 an verschiedenen Schulen des Friedländer, Reichenberger, Gablonzer, D. Gabler Bezirkes (Bullendorf, Raspenau, Wiesenthal, Göhe, Weißkirchen, Spittelgrund, D. Pankraz). Als tüchtiger Lehrer und eifriger Sammler steht er noch heute bei der Bevölkerung von D. P[ankraz] in guter Erinnerung.

Vom 1. September 97 bis 1. März 1898 leitet provisorisch die Schule Lehrer Gustav Lerch.

Am 1. März 1898 trat Hermann Kaller seinen Dienst als Oberlehrer an der hiesigen Schule an. Geboren am 18. August 1859 in Böhmischdorf bei Freiwaldau in Schlesien lehrte er als Lehrer in Kriesdorf vom 1.10.1879 bis 1.9.1890, kam sodann als Schulleiter nach Johnsdorf und von dort im Jahre 1898 nach D. P[ankraz]. Im August 1919 übersiedelte er nach seiner am [...] Kriesdorf, wo er seit seiner am 1.4.1920 erfolgte Pensionierung nach lebt (1927).

Mit der Leitung der Schule wurde der Chronist Oberlehrer Gustav Böhmer betraut, der seinen Posten am 1.9.1919 hier antrat.

Präzeptoren, Lehrer, Unterlehrer

1825-1827 Laurenz Mann aus Neustadt bei Friedland wirkte auch an den Schulen Nieder[...], Schänbach und Petersdorf.
1827-1829 Matthias Hoffmann, später Lehrer in Christiansthal, Neudorf und Einsiedel.
1829-1833 Franz Scheufler.
1833-1835 Anton Kunze, gebohren 1803 in No 43; war später in Wartenberg angestellt und ging infolge Streitigkeiten mit dem Pfarrer vom Lehrberufe weg und wurde Schreiber bei einem Reichenberger Juristen.
1835 Karl Kunze, gebohren 17.5.1817 in No 56, starb als Schulgehilfe am 22.12.1850 in D. P[ankraz]
1840-1842 Josef Leutelt, in No 52 geboren, wirkte noch in Raspenau, Josefsthal, woselbst er auch Oberlehrer wurde.
1842-1844 Josef Stelzig kam von hier nach Dittasbach, Liebwerda und Weisbach
1844-1846 Anton Ressel war lange nach seiner hiesigen Dinestzeit Unterlahrer in Neustadtm zuletzt Oberlehrer in Heinersdorf
1848-1851 Franz Neumann, geb in No 69 - 1826 kam schließlich als Oberlehrer nach Reinowitz
1846-48 1852-1860 Franz Richter, geb. in Heinersdorf a/T. wurde später Oberlehrer in Lämberg.
1873-1874 Johann Hanisch aus Großmergthal
1874-1875 Franz Richter aus Großmergthal
1875-1881 Franz Altmann, geb. in Raspenau, kam von hier nach Brins.
1881-1888 Wnzel Nowak, geb. in Laan bei Nimburg
1883-1887 Edward Kögler, geb. in Kreibitz, kam als Oberlehrer nach Hennersdorf.
1887-1895 Franz Hanig, geb. in Hennersdorf, ging als Bürgerschullehrer nach Neustadtl.
1888-1889 Johann Viktor Ebert, geb. in Prag, ging wieder als Unterlehrer nach Prag.
1889-1896 Josef Floßmann aus Bischofteinitz kam als Lehrer
1895-1902 Gustav Lach, geb. in B. Kamnitz, ging von hier nach Ringelhain
1897-1898 Anton Ranscha aus Neuern, kam nach Gr. Mengthal
1896-1899 Maria Lang, gebürtig aus D. Gabel.
1.3.1899-15.9.1900 Karl Simon, ein gebürtiger Reichenberger, endete durch Selbstmord 1901.
15.9.1900-31.8.1906 Gustav Böhmer, der Chronist, übers. nach Kumersdorf(?)
1.10.1901-1.2.1902 Richard Bruscha, gebohren in Postrum(?) kam nach Neunsdorf(?)
1.2.1902-31.3.1917 Friedrich Hubosch, kam als Oberlehrer nach Seifersdorf, starb dort als Kriegsopfer am 26. Mai 1919 im 46. Lebensj.
1.9.1906-31.8.1909 Franz Friedrich, gebohren in Kumerdorf(?), kam nach Zwickau
1.9.1909-5.2.1910 Rudolf Rösler, geb. in Zwickau, kam nach [...]thal
5.2.1910-31.8.1912 Franz Sachse, kam nach Ringelhain
1.9.1912-15.8.1922 Franz Steckert, geb. in Zwickau, kam nach Petersdorf. War 5 Jahre in russischer Gefangenschaft.

Von hier an beginnt ein häufiger Lehrerwechsel, verursacht durch den Krieg.

Industrial-Unterricht

Klassenzahl

Verschiedenes

Spezifikation

Schulaufsicht

Kirche

Daß Pankraz schon in sehr früher Zeit eine Kirche besessen hat, beurkundete das Vorhandensein von Pfarrern im 14. Jahrhunderte. 1710 bestand die alte hölzerne Kirche noch. In diesem Jahre wurde sie abgetragen und vom Maurermeister Johann Sitte aus Kratzau eine neue Kirche aus Stein erbaut.

Mit der Kolonisation von Pankraz scheint auch das Christentum mit eingezogen zu sein, denn im Jahre 1370 wird hier schon ein Pfarrer mit Namen Nikolaus genannt. Er kam nach Seifersdorf. Nach ihm kam ein Pfarrer, Nikolaus von Seifersdorf anher. Der 3. Pfarrer, ebenfalls ein Nikolaus, Kleriker von Gabel, wurde am 19. März 1372 bestätigt. Der 4. Pfarrer, Nikolaus, starb 1394. An seine Stelle kam der 5. Pfarrer, wieder ein Nikolaus von Forst, Regierungsbezirk Liegnitz in Preußen, der am 15. April 1394 bestätigt und vom Ringelshainer Pfarren installiert wurde. Ihm folgte der Priester Johann von Ostrovo(?) in der Prager Diözese 1394 dann kam ein Priester Johann von Ostrowitz 1395.

Von dieser Zeit an bis 1569 ist nichts weiter bekannt. Der hereinbrechende Hussitenkrieg mit seinen Gräueln hat gewiß auch [...] und schädliche Wirkung an Pankraz verübt. Fast alle böhmischen Herren unserer Gegend waren Gegner der Hussiten. Unter dem Hussitenführer Hynek von Brček wurde die besetzte Burg Karlsfriede bei Lückendorf erstürmt, später auch Grottau und die umliegenden Dörfer niedergebrannt. 1517 als die Reformation ihren Anfang genommen, scheint auch die neue Lehre Luthers in hiesiger Gegend großen Anklang gefunden zu haben, deshalb wendeten sich die meisten Orte dieser Gegend, auch Pankraz, das zur Grafschaft Grafenstein gehörte, dem Protestantismus zu.

In Pankraz fungierte im Jahre 1569 ein gewisser Johann Kolberg als protestantischer Pfarrer. Jacob Wendelin Hassuns(?), dessen Name auf der im Jahre 1600, 6. Juli, in Zittaz gegossenen nd beim Kirchbrande am 8. April 1868 geschmolzenen großen Glocke zu lesen war, war ebenfalls protestantischer Pfarrer. Ihm folgten Johann Hachelberg und im Jahre 1606 Zacharias Kaimann, der noch um das Jahr 1617 hier Pfarrer war.

Die hier erwähnte große Glocke trug folgende Inschriften:

Jakob Wendelin Hassus,

evangelischer Pfarrer zu Pankraz

Johann Kratzmann, Paulus Kunze,

Kirchenväter,

Christoph Quaiser, Ortsrichter-

Georg Kunze, Johann Wolmann,

Hauptscheppen.

Nach der Vertreibung der protestantischen Pastoren und der eingetretenen Gegenreformation 1624 konnten die Pfarrei wegen Priestermangels nicht besetzt werden; deshalb wurde Pankraz eine Filiale zu Grottaz und erhielt erst 1775 wieder einen selbständigen Seelsorger.

Die Grottauer Pfarrer, welche die Filiale Pankraz zu versehen hatten, waren nachstehende:

Christian Pfalz
Henrious Michael Woneken von Holzweil 1657-1661
Christoph Christian Scholz 1661-1664
Christoph Franz Heinz 1664-1673
Johann Sebastian Kraus 1673-1708
Tobias Johann Kern 1708-1718 unter diesem wurde die alte Holzkirche aus Stein neu erbaut
Paul Ambros Walter 1718-1740
Josef Franz Hübel 1741-1750
Ignaz Christof Bernt 1750-1754
Anton Schneider 1754-1755
Josef Tobias Schöpfer 1755-1768
Josef Kühnel 1768-1790

Unter dem letzteren wurde Anton Knirsch als Residenz Kaplan im Jahre 1774, den 21./12. nach Pankraz designiert; mit ihm erhielt also Pankraz wieder einen eigenen Seelsorger. Seine ihm zugeteilten Kapläne waren:

Kornelius Wolf 1780-1782
Philip Salomon
Johann Lalm 1775
Franz Schneider 1785
Kattelus Sommer 1786
Bernard Rimpler 1786

Pfarrer Knirsch starb 1786.

Auf ihn folgte Adam Metzner, 1787-1801. Unter ihm kam Niederberzdorf zur Pankrazer Seelsorge und Pankraz erhielt einen [...]perator aus dem Religionsfonde.

Kirchenbrand

Denkmale

Die Burg Roynungen

Nicht weit von der Bergstraße, welche von Gabel über Panlraz, Freudenhöh nach Reichenberg führt, liegt mitten im Walde auf einem Granitkegel eine nunmehr gänzlich zerfallene Burgveste, die einst stattliche Ritterburg Roynungen, auch Roymunth, in alten Chroniken auch Poymund, Raimund und Renneburg, im Volksmund Rumschloß gennant.

Zur Zeit ihrer Erbauung war die ganze jetzt zur Sommerszeit stark besuchte Gegend mit meilenweiten, schier undurchdringlichen Wäldern bedeckt, in denen nebst anderem wildern Getier auch Bären, Luchse, Wölfe und Wildkatzen ihre Schlupfwinkel hatten. In den Niederungen gab es nur spärliche menschliche Ansiedlungen. Die im Neissetal liegenden Ortschaften Grottau, Weißkirchen, Kratzau zählten erst einige hundert Einwohner, nur das gegen Westen gelegene Gabel mit seinen Wällen kontte als [...] gelten.

Bedeutende Männer

Christian Keimann

Unter den protestantischen Pastoren, die in D. Pankraz von 1569 bis 1624 den lutherischen Glauben predigten, war auch Zacharias Keinmann, 1606-1616. Ihm wurde hier am 27. Feber 1607 ein Sohn, Christian, geboren, der 1634 nach Absolvierung des Zittauer Gymnasiums und siebenjährigen Hochschulstudien in Wittenberg zum Rektor des Zittauer Gymnasiums ernannt wurde und am 13. Jänner 1662 in Zittau starb.

Rektor Keimann war ein berühmter Schulmann, der mehrere pädagogische Bücher herausgegeben hat, auch schriftstellerisch tätig war und sich um die Hebung des Zittauer Schultheaters enorme Verdienste erworben hat.

Bernard Dittrich

Unter den Personen, welche D. Pankraz ihren Geburtsort nennen und sich durch ihre eigene Kraft und zielbewusste Konsequenz zu einer hervorragenden Stellung in der menschlichen Gesellschaft empor geschwungen haben, gehörte auch der Hauptmann-Rechnungsführer Bernard Dittrich. Sein Vater, ein armer Weber, schickte den am 1. November 1823 [Anmerkung: laut Geburtsmatrik wurde Bernard Dittrich am 17.5.1822 geboren, siehe: L64/7, Seite 115] hierorts geborenen Sohn Bernard in die damals bestehende Walterschule, wo derselbe die 6jährige Schulpflicht erfüllte. Nach seinem Austritte aus der Schule erlernte er die Weberei, um später nebenbei auch das Handwerk eines Zimmermannes zu begreifen. Am 29. Dezember 1848 wurde er in Jungbunzlau zum 4 Bataillon des 36 Infanterie-Regimentes affentiert und erhielt in Königgrätz seine erste militärische Ausbildung. Nachdem Dittrich 1849 an der Niederwerfung des Aufstandes in Ungarn teilgenommen, wurde er dem 1 Baõn zugeteilt. Im Jahre 1851 wurde er Gefreiter und am 7. August desselben Jahres wirklicher Korporal.

Im Krimkriege treffen wir Dittrich an der Grenze Russlands, um nach dem Friedensschluße nach Komorn in Ungarn dirigiert zu werden. Nach überstandenem [...] wurde er zu Schreibgeschäften klassifiziert und dem Depot-Baõn in Jungbunzlau zugeteilt, wo er Manipulant ward, um im April 1858 zum Zugeführer ernannt zu werden. Im Juli 1862 legte Dittrich die Prüfung als Rechnungsstabsfeldwebel ab und wurde infolge dieser Prüfung zum wirklichen Feldwebel im Rgte. ernannt.

Am 13. November 1862 verehelichte er sich mit Anna von Metsch der Waise eines Beamten, worauf er am 1. März 1863 zum Rechnungsstabswachtmeister aufstieg. Beim Ausbruche des Krieges mit Dänemark wurde er in dieser Eigenschaft zum K.K. 9. Husaren Rgte. übersetzt und machte den Feldzug in Holstein, 1864, mit. Nach Beendigung des Krieges kam Dittrich am 1. April 1865 zum K.K. Ulanen-Rgte No 1 nach Galizien und im selben Jahre zum I.R. 57. Im Kriege gegen Preussen, 1866, wurde er als Rechnungsleiter der Ambulanz No 14 beim III. Armee-Korps eingeteilt. Auf dem Rückzuge nach der Schlacht bei Königgrätz rettete er den Kassawagen. 1867 wurde Dittrich zum Militär-Invalidenhause bei Prag übersetzt, bestand im Monate Juli 1868 die Prüfung zum Rechnungs-Offizier mit sehr gutem Erfolge, wurde mit 1. April 1869 Leutnant 1. Kl. und am 1. Mai 1873 Oberleutnant im K.K. Landsfuhrwesen-Kmdo No 6 in Herrmanstadt in Siebebürgen. Nach Böhmen im Jahre 1876 zum K.K. Garnisionsspital No 2 in Josefstadt übersetzt, wurde Dittrich am 1. Mai 1880 Hauptmann 2. Kl. und am 1. November 1884 Hauptmann 1. Kl., worauf er mit 1. Jänner 1886 nach einer (unter Zuzählung der 3 Feldzugsjahren, die doppelt gerechnet werden) 40 jährigen bewegten und angestrengten Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand sich versetzen ließ.

Hauptmann Bernhard Dittrich starb am 25. November 1906 zu Eger im Alter von 83 Jahren.

Die Bewohner und ihre Beschäftigung

D. Pankraz dürfte um die Mitte des 19. Jahrhundertsm zur Steinmetzerzeit, seine höchste Einwohnerzahl gehabt haben, u. zw. ca. 1000, die in 150 Häusern wohnten.

1880 gab es 168 Häuser mit 992 Einwohnern
1890 170 Häuser mit 950 Ew.
1900 175 Häuser mit 916 Ew.
1910 [Eintrag fehlt]
1920 179 Häuser mit 739 Ew.
Häuser und Einwohner von D. Pankraz

Die Bewohner von D. Pankraz gehören sämtlich dem deutschen Stamme an und finden den örtlichen Verhältnissen gemäß auf verschiedene Weise ihren Lebensunterhalt.

Der kleinere Teil lebt von der Landwirtschaft, der größere sucht in Handwerken, Fabriks- und Tagarbeiten sein Fortkommen. Auch Handweberei wird nebenbei, namentlich in den Wintermonaten, betrieben. Viele Arbeiter verdienen sich ihr Brot auswärts und es finden hauptsächlich die Bauarbeiter meistens in Reichenberg Beschäftigung. Der jetzigen Generation bietet die Eisenbahn Gelegenheit, täglich an ihren Arbeitsplatz zu gelangen; doch sind auch früher schon Maurer und Zimmerleute zu Fuß nach Reichenberg gewandert.

Die Bewohner von D. Pankraz sind stets ein für ehrliche Arbeit eingenommenes Volk gewesen. Lichtscheue Gewerbe, Schmuggel, Wildern, kamen hie und da auch vor, doch nie in dem Maße, wie in den umliegenden Ortschaften. Verschiedene Waren: Tabak, Zucker, Kaffee, Pulver, Seide, Weißwaren, etc. wurden gewiß auch von Pankrazer Einwohnern

Steinmetzerei

Der Kalkberg

Verkehrswesen und Sicherheit

Straßen und Wege

Unser Ort ist fast zur Gänze von Straßen durchzogen, eine Menge öffentlicher Wege besorgen die Verbindung mit den umliegenden Ortschaften. Die ärarische Straße von Zwickau über D. Gabel, Kratzau, Reichenberg führt durch D. Pankraz. Sie wurde von zwei Juden, Hahn und Pollak, in den Jahren 1840-1844 gebaut und vom Staate um den Betrag von 260.000 fl. Cons. M. übernommen. Die Baujahre waren für die arme Bevölkerung und Fuhrleute eine Wohltat. Tagarbeiter bekamen einen Tagelohn von 12-18 kr Cons. M., ein Betrag, der für damalige Zeit nicht zu verachten war. So hat 1843 Karl Neuhäuser, "der schwarze Karl" aus No 75 durch den Verdienst beim Straßenbau und durch früheren Holzhandel das Haus 25 erworben worin er eine Fleischerei und den Schankbetrieb eröffnete.

Im Jahre 1861 wurde die Bezirksstraße D Pankraz, Schönbach, Kriesdorf gebaut. Der Müller Josef Rösler aus Schneckendorf hat den Bau bis zum Jahre 1863 fertig gestellt.

Im Jahre 1867 wurde die Bezirksstraße Pankraz, Niederberzdorf, Ketten, Grottau ausgebaut.

Ab 1. Jänner 1870 wurde auf der Berzirksstraße Pankraz, Kriesdorf Straßenmaut eingeführt. Clemens Bernt No 21 war der erste Mautpächter und zahlte hierfür jährlich 128 fl. (?). Bernt starb 1876 am (?). Nach ihm pachtete die Straßenmaut seine Tochter Franziska Bernt bis zur Aufhebung der Maut 188(?)

1921 wurde der Weg ins Oberdorf neu gepflastert und hergerichtet. Kosten ca 11.000 Kč.

1926 erhielt die Schule einen neuen Weg. Durch Entgegenkommen des H. Dechants Herzog, bzw. der Patronatsverwaltung Grafenstein wurde eine Ecke des Pfarrgartens kostenlos zur Verbreiterung des Weges benützt. Rothengreis(?).

Eisenbahnen

Eisenbahnen hat D Pankraz bisher keine aufzuweisen. Die Leute, die mit der Bahn fahren wollen, müssen stolz zu Fuß nach Schönbach, Ringelshein, Weißkirchen oder Ketten wandern.

1857 wurde die Zittau-Reichenberger Bahn von einer deutschen Gesellschaft gebaut und 1860 dem Verkehr übergeben. Noch heute (1927) ist die Bahn im Besitz Deutschlands.

Am 22. April 1896 fand in D Gabel die Trasenrevision(?) Niemes-Reichenberg, oder wie sie genannt wird, der A.T.E (Außig-Töplitz-Eisenbh.) heute U.T.D. (Ústi-Teplicka Draha) unter dem Vorsitze des Statthaltereirates(?) Hoffmann statt. Als Vertreter des Bahn fungierte Regierungsrat Schweigert und Oberinspektor Stradal. Gegen die Führung der Linie hatte keine Gemeinde etwas einzuwenden.

Pankraz blieb durch eigenes Verschulden sozusagen links liegen und an dieser Stelle sei es festgehalten, daß die damalige Gemeindevertretung nicht den Mut aufbrachte, gegen einzelne Eisenbahn-Gegner tatkräftiger aufzutreten. Es wäre vielleicht doch gelungen, daß dieses im heutigen Zeitalter so eminent wichtige Verkehrsmittel nicht hinter dem Schulberge, sondern vor demselben vorbeigefahren wäre, zumal die Bahn eine Strecke im Hirschgrunde über D. Pankrazer Felder führt.

Ortsbeleuchtung

Nachtwache

Im Jahre 1838 wurde infolge der vielen Diebstähle der Sicherheitsdienst bei der Nacht in D. Pankraz eingeführt. Je zwei Insassen mußten abwechselnd alle Abende mit einem vom Gemeindeschmiede angefertigten eisernen Spieße Wachdienst versehen. Um 12 Uhr hatten sie sich beim Ortsrichter zu melden.

Polizei

Im Jahre 1870 wurde über Auftrag der K.K. Bezirkshauptmannschaft in D. Gabel eine Ortspolizei eingeführt. Erster Polizist was Josef Volkert aus No 166, der gleichzeitig Totengräber und Gemeindediener war.

Gandarmerie

Im Jahre 1850, am 17. Juli trat in Österreich die K.K. Gendarmerie in Wirksamkeit. Sie war eigentlich eine militärisch organisierte Truppe.

1877 wurde in Ringelshain der erste Gendarmerieposten errichtet mit dem Postenführer Andreas Rudischer. In den Bereich der Postenkommandos Ringelshain gehört auch D. Pankraz.

Finanzwache

1876 erhielt D. Pankraz eine Finanzwach-Abteilung, deren Kasernen in verschiedenen Häusern untergebracht waren; so in No 11, 167, 14, 171. Im Jahre 19 wurde die Abteilung nach Ringelshain verlegt.

Der Ort hatte in geldlicher Beziehung umbedingt einen Vorteil, waren doch die meisten Finanzer lebenslustige Leute, tüchtige Trinker, Hasardspieler, etc. Am Schulberge, oberhalb des Pfarrfeldes beim in einen Stein eingehauenen Kreuze hat sich im Jahre 1877 der Aufseher Jagasser(?) erschossen; doch war das nicht der einzige Selbstmordkandidat, denn die Finanzwache war in damaliger Zeit ein Ablagerungsplatz gefallener Existenzen.

Briefträger

Vor dem Jahre 1870 erhielten die Bewohner von hier die Briefe, etc von D. Gabel aus zugestellt und mußten hierfür 10 kr bezahlen.

Von 1870 bis 1887 kostete ein von Ringelshain zugestelltes Poststück 5 kr, bis dann endlich im Jahre 1887 ein staatlicher Landbriefträger die Postsachen um 1 kr zustellte. Der erste Landbriefträger hieß Josef Schicht, gebürtig in Finkendorf.

10 kr sind nach heutigem Gelde umgerechnet - wenn wir die Kaufkraft des damaligen Geldes mit in Rechnung ziehen - ca 4 Kč. Wer also eine umfangreiche Korrespondenz hatte, dem ward Schicht eine Erleichterung gewesen sein.

Telefon

Im Oktober 1896 wurde von Reichenberg bis Zwickau, der [...]straße folgend, eine Telephonleitung gelegt.

Den Bemühungen einiger Pankrazer ist es gelungen, eim Jahre 19 den Telefonanschluß an Ringelshain zu erreichen. Die Station befindet sich (1927) bei H. Anton Kunze, 37.

Gesundheitsverhältnisse

Schon in der Einleitung wurde erwähnt, daß das Klima von D. Pankraz rauh ist, jedoch im großen ganzen gesund. Verheerende Seuchen sind dem Orte fern geblieben. Nur in den Jahren 1832 und 1866 wütete die Cholera in der Gegend. Doch auch die hat P[ankraz] gnädig behandelt. 1832 starben hier 21 Personen. Die Familie Johne, 117, starb aus [Anmerkung: Theresia, Anton und Karl Johne, siehe Eintrag in Sterbematrik L64/11, Seite 174/175]. 1866 erlagen 6 Inwohner der tückischen Krankheit, gegen 30 in Weißkirchen, 50 in Kriesdorf, 1000 in Reichenberg.

Unter den Tieren wütete öfters die Maul- und Klauenseuche, zuletzt im Winter des Jahres 1923. 1872 verendeten fast alle Katzen des Ortes an einer Seuche, während wieder am Ostersamstage 1897 gegen 20 Hunde vom [...]meister aus Hermsdorf erschlagen wurden, angeblich weil sie mit einem wutverdächtigen, fremden Hunde in Berührung gekommen sein sollen.

Großen Schaden richtete in unseren herrlichen Waldungen in den Jahren 1907-10 und 1922 der Nonnenfraß an.

Wasserleitung

Als wichtiger gesundheitlicher Faktor ist das frische, reine Trinkwasser zu betrachten, daß eine Wasserleitung vom Kalberge dem Dorfe zuführt. Doch ist der Werdegang der Wasserleitung ein Kapitel für sich. Manachen Kampf hat es gekostet, bevor es soweit kam, daß der Bau der Leitung in Angriff genommen wurde. Leider ist die bestehende Leitung durchs Dorf nur Flickwerk, aber sie erfüllt dich zur Not ihren Zweck. Früher wurde das Trinkwasser aus Brunnen geschöpft, die zum Teile heute noch benützt werden. Das übrige Haushaltungswasser lieferte der Dorfbach, d.h., wenn Wasser darin war. Ausgiebige Brunnen sind auf dem "Bornhügel" der Wirtschaft 70 und in Freudenhöh. Bei anhaltender Dürre mußte Wasser bis von dort geholt werden.

Den letzten Anlaß zur Bildung eines sog. Wasserleitungskomitees bildete der empfindliche Wassermangel in den Trockenjahren 1874/75. Damals bildete sich ein Baukomite[e], dem angehörteb:

  • Gemeindevorsteher Josef Neumann
  • Oberlehrer Anton Pilz
  • Pfarrer

Leidensgeschichte der Bewohner

Unnatürliche Todesfälle

1822 [1817] Im Oktober wurde der Bräutigam Michael Leutelt aus No 42, als er abends mit seiner Braut Veronika Prokop aus N[o] 36 Arm in Arm in Begleitung seiner Hochzeitsgäste in den Kretscham zum Hochzeitskränzchen marschierte, durch einen Freudenschuß aus dem Hause No 63 an der Seite seiner Braut erschossen.

[Anmerkung: Laut Hochzeits- und Sterbematrik ist das Datum des Ereignisses der 16. Juni 1817, siehe O, 1784-1825, Dolní Suchá, Jitrava, Scan 42 und Z, I-Z, 1801-1855, Jitrava, Scan 31]

1832 Im Sommer dieses Jahres wurde Josef Kunze, Hausbesitzer No 148 in Trögelberger Steinbruche durch eine abstürzende Schuttwand zugedeckt und als Leiche gervorgezogen.

1834 [1836] Josef Leutelt, Hausbesitzer No 41 wurde im Kalksteinbruche durch herabfallende Steingerölle verschüttet und starb am nächsten Tage.

[Anmerkung: Laut Sterbematrik ist Josef Leutelt mit 34 Jahren am 24.7.1836 gestorben, siehe: Z, I-Z, 1801-1855, Jitrava, Scan 72]

1843 [1844] Dominik Prokoph, Hausbesitzer N[o] 36 wurde aus den folgenden "Gründen" mit gespaltenem Kopfe heimgebracht und starb 6 Stunden darauf. Zweierlei wurde im Volksmunde erzählt: die einen, seine Arbeitskollegen, sagten, ein herabfallender starker Ast habe die Wunde verursacht, während andere meinten, ein unvorsichtiger Axthieb hab ihn getroffen.

[Anmerkung: Laut Sterbematrik ist Dominik Prokoph mit 48 Jahren am 9.10.1844 um 17:00 gestorben, siehe: Z, I-Z, 1801-1855, Jitrava, Scan 97]

1849 An der Straße nach Ringelshain steht "Schichts" Kreuz. Hier wurde am 16. August Marianne Schicht, durch einen Pistolenschuß entleibt, aufgefunden.

1869 Karolina Prokoph aus No 63 ertrank im Hofbrunnen des Hauses No 63.

1877 Am 10. Juni lief bei dem Hause No 12 das dem Schäfer gehörige 2jährige Mädchen in die Räder eines schweren Wagens, den der Kutscher Josef Böhmer aus Finkendorf lenkte, hinein. Das Kind was sofort tot.

1892 Am 8. Juni wurde der Bierkutscher Josef Wörfel aus Zwickau in den "Kohlheiden" von seinem schweren Bierwagen überfahren und war sofort tot.

1894 Am 28. Juni stürzte in der Römheldgasse in Reichenberg ein Naubau des Baumeisters Gärtner wegen zu schwachem Mauerwerk im Inneren zusammen und tötete 10 Arbeiter während 21 schwer verletzt wurden. Aus D. Pankraz befand sich unter den Toten der Maurer Anton Thiel aus No 53 und unter den Verletzten der Maurer Franz Kunze, No 44, durch Arm- u. Beinbrüche arg zugerichtet.

[Anmerkung: siehe auch: Der Bautechniker vom Fr, 6. Juli 1894]

1895 Am 23 Juli, nachmittags gegen 5h, entlud sich ein ziemlich mäßiges Gewitter über D. Pankraz und Umgebung. Der Bauer Anton Sitte aus No 87 wurde von diesem Gewitter mit seinem Fuhrwerke beim Heimfahren überrascht und vom Blitze getötet. Mit ihm wurde auch eine seiner Kühe erschlagen.

1906 Liebig-Katastrophe In der Nacht vom 27. auf den 28. Okt. 1906 wurde im Hause No 103, dem Anton Liebig gehörig, er war damals Hausmeister bei der Fa. Redlhammer, Gablonz, ein schreckliches Verbrechen verübt, das die Bewohnerschaft lange in Aufregung erhielt. Anton Liebig hatte in dieser Nacht seine Frau Julie und 2 von seinen 4 Kindern, Anton 11 J. u. Maria 3 J., mit einem Beile durch Kopfhiebe erschlagen. Gegen 1/2 2h morgens wurde Liebig, der auf der Kammer schlief, angeblich durch ein zweimaliges Geräusch, das aber nur er gehört hatte und nicht seine im selben Lokale schlafende Schwiegermutter Neuhäuser, geweckt, ging hinunter und schlug, nachdem er das Unglück gesehen, Lärm. Die nächsten Nachbarn waren sofort zur Stelle. Die Wohnstube erweckte den Eindruck eines verübten Raubes. Geöffnete Kästen, herumliegende Sachen, kurz alles durcheinander. Vermisst wurden 2 10 Kč Gold und anderes Kleingeld. Im ebenerdigen Stübchen, von der Stube durch den Hausflur getrennt, lagen in Betten die 3 Leichen. Entsetzen erfasste alle ob der ruchlosen Tat. Niemand im Dorfe dachte für den Moment nur im entferntesten daran, daß L. selber der Täter sein könnte. Nur zu bald änderte sich die Volksstimme. Durch Erhebungen verdichtete sich immer mehr der Eindruck, daß kein Fremder der Täter sein könne. L. wurde deshalb auch am 29. verhaftet. Fenster u. Türen unbeschädigt, nicht gestohlene Wertsachen, das blutige Beil, ein blutiges Hemd, das durch den geistesschwachen Hamich(?), vulgo "Helzlkoppe"(?) im Trögelberge über Auftrag der Leichenanzieherin Agnes Würfel, D. P[ankraz] 23 unter einem Stein versteckt wurde, der rege Verkehr in den Nachtstunden (Sonntag), der schweigsame Hund, die "gemachten" Fußspuren von der Hintertür zum nahen Feld und zurück, Liebigs cynisches Verhalten, ferner seine Gablonzer Liebschaften und vorgefundenen Liebesbriefe und vor allem die 2 von ihm selbst geschriebenen Briefe, die er durch Mithäftlinge ans Gemeindeamt befördern wollte und in welchen sich die Sträflinge - gegen eine Belohnung, "wenn nichts raus kommt" - selbst als Täter bezeichneten, die im Lederhandschuh des Liebig vorgefundenen "gestohlenen" 2 10 Kč Goldmünzen, dies und noch andere Indizien, die in der viertägigen Schwurgerichtsverhandlung vom 13. bis 16. März 1907 aufgedeckt wurden, überzeugten die Geschworenen von der Schuld des Liebig, sodaß sie die einzige Schuldfrage einstimmig mit "Ja" beantworteten. Aufgrund diese Verdiktes der Geschworenen wurde Liebig zum Tode durch den Strang verurteilt. Liebig war jedoch lungenkrank und starb Ende Jänner 1908 [Anmerkung: er starb am 22.2.1908, siehe z.B. Pilsner Tagblatt vom 26.2.1908, Seite 5] im ... Strafgefängnis Karthaus. Der Kaiser hatte ihn zu lebenslänglichen Kerker begnadigt.

[Anmerkung: Heiratseintrag Anton Liebig und Juliana Neuhäuser L64/30 Fol. 98]

Mißernten

1362 In diesem Jahre war im Lande Böhmen eine totale Mißernte zu verzeichnen. Massen der ärmeren Bevölkerung starben aus Mangel an Nahungsmitteln.

1822 Durch 13 Wochen fiel kein Tropfen Regen, wodurch die Ernte, namentlich die Sommersorten, gänzlich mißriet.

1769, 1775 Im Berzirke D. Gabel starben in diesen Jahren 1772 Personen hungers, weil die Ernten total mißraten waren.

Teuerung

1817 Der Gabler Wochenmarkt setzte folgende Getreidepreise fest:

1 Scheffel Weizen 42.55 fl
[1 Scheffel] Korn 25.55 [fl]
[1 Scheffel] Gerste 18.70 [fl]
[1 Scheffel] Hafer 10.45 [fl]

1847 Durch ununterbrochenen Regen erfolgte eine Mißernte und dieser eine Teuerung nach. 1 Scheffel Korn wurde mit 14 fl Cono. Münze gekauft. Erdäpfel gab es gar keine und die Not war groß.

1867 Dasselbe war nach der "Preußischen Invasion" der Fall.

  • 8 fl ein Strich Korn
  • 10 fl [ein Strich] Weizen
  • 5 fl [ein Strich] Hafer

Kartoffeln gabs gar keine.

Trockenheit

1842 Dieses Jahr war ungemein trocken und die Pankrazer hatten infolge Wassernot eine schwere Zeit mitzumachen.

1871 Auf einen trockenen Herbst 1870 folgte ein strenger Winter ohne Wasser. Täglich wurden beim Hause No 52 Wasserfässer gefüllt, die mit Schlitten heimgefahren und im Stalle oder in der Wohnstube aufgestellt werden mußten. Im Orte selbst, namentlich aber in Wirtshäusern gabs lebhaften Wasserleitungsdiskurs, der solange anhielt, bis Tauwetter eintrat.

1886 Das Trockenjahr 1886 hat den Pankrazern nichts, die Wasserleitung spendete reichlich Naß. Johnsdorf mußte Wasser in Lämberg holen, die Schönbacher fuhren bis an die Kriesdorfer Grenze.

1892 gab es einen sehr strengen Winter mit -30°C.

1894 Am 15. März fiel haushoher Schnee, sodaß mehrere Tage kein Fuhrwerk verkehren konnte, bis Leute wieder Bahn geschaufelt hatten.

1895 Dieses Jahr trat in ganz Europa mit ungeheurem Schneefall ein. Eisenbahnen und Straßen wurden täglich verweht, sodaß der Verkehr im Monate Jänner mehrmals unterbrochen ward. Die Kälte stieg auf -30°C.

Wolkenbrüche

Stürme

1870 Am 26. Oktober schädigte ein verheerender Südweststurm Obstbäume, Dächer und namentlich Stallungen. 40.000 Klaftern Windbruch sollen in den Clam'schen Wäldern aufgearbeitet worden sein. Auch die steinalte Grenzkiefer an der Straße nach Freudenhöh lag samt Kranz auf der Straße.

1868 Pfingstsonntag, den 30. Mai vernichte[te] Hagelschlag die ganzen Felder.

Blitzschlag

1816 Im Juni erschlug der Blitz einen starken Zugochsen, der von dem 14 jährigen Anton Schäfer von Schönbach nach Pankraz getrieben wurde. Der Junge kam mit bloßem Schrecken davon, der Ochs war tot und ungenießbar.

Diebsbanden

1833 In den 20er, 30er, 40er Jahren machte eine freche Diebsbande und Führung eines gewissen Kühnel aus Seifersdorf und des Paßwirtshausbesitzers Penkert die umliegenden Ortschaften unsicher. Das Paßwirtshaus stand in sehr üblem Rufe, man munkelte sogar von Mordtaten. 1843 wurde durch den Bandenführer Jentsch aus Jüdendorf, Kühnels Nachfolger, dem Krämer Josef Kunze, 29, alles gestohlen. Dieser musste, mit Weib und Kind gefesselt, zusehen, wie die Strolche mit brennender Kerze alles durchsuchten.

Grenzkordon

1876 Das Reichenberger Jägerbaõn sperrte in den Monaten April und Mai die Grenze von Reichenberg bis D. Gabel, wegen Viehseuche im Friedländer Bezirke. Wer nach Sachsen wollte, mußte sich in eigens dazu hergerichteten Räucherkammern einer Desinfektions-Prozedur unterziehen. Pankratzer Kalkhändler sah man öfters zum Guckloche heraus nach Luft schnappen.

Zigeunerrummel

1892 Woher? Wohin? Seit nahezu fünf Jahrhunderten, seit der Zeit, als die dunklen Kinder einer noch dunkleren Heimat im Abendlande sich eine Art Wanderrecht erzwungen haben, zieht die eine Frage vor ihnen her, hallt die zweite hinter ihnen drein, doch immer ungeklärt und unerwidert. Sie selbst nannten sich von allem Anfange her: Kleinägypter und erzählen, daß sie verflucht seien zu wandern mit dem ewigen Juden um die Wette, weil ihre Vorfahren sich auch ungebührlich gegen den ans Kreuz geschlagenen Erlöser benommen hätten, indem sie dem Sterbenden die Restteile der Kleider, die ihm seine Henker gelassen, vom Leibe gerissen hätten. - Doch wer darf auf das Wort, auf die Zeugenschaft der Zigeuner etwas geben, der keine Ehre kennt und keine Geschichte, der kein Gestern und kein Morgen kennt, sondern dem immer gleichbleibenden Heute lebt! Die Forschung nimmt Vorderindien als die Heimat der Zigeuner an. In Indien finden sich ebenso wie in den übrigen Teilen der alten Welt heute nur mehr Splitter dieses unbegreiflichen, rätselhaften Volkes. Es ist eine dreifache Verachtung, die der braune Wandergeselle in seinem Herzen allen andern Erdenbewohnern entgegenbringt. "Mensch" ist nur er, der Zigeuner, was ihn umgibt, sind Leute.

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